Interkulturelle Kommunikation mit Geschäftspartnern aus Ungarn


Interkulturelle Kommunikation mit Geschäftspartnern aus Ungarn

Kommunikation ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im deutsch-ungarischen Geschäftsalltag.

Ungarn hat eine günstige geographische Lage, ausgezeichnet ausgebildete Arbeitskräfte und Deutschland gilt als wichtigster Geschäftspartner Ungarns. Demzufolge haben beide Länder Interesse daran, die intensiven Handelsbeziehungen positiv zu gestalten. Damit die Geschäfte zwischen Ungarn und Deutschland nicht scheitern, gibt es Aspekte, die bei der Kommunikation mit den Ungarn berücksichtigt werden sollten.  

Ungarisch als Eisbrecher

Die meisten Ungarn sprechen Englisch, was die Business-Kommunikation erleichtert. Es wird nicht unbedingt erwartet, dass die internationalen Partner Ungarisch sprechen. Trotzdem kann es von Vorteil sein, ein paar Worte auf Ungarisch zu lernen. Das könnte Ihnen in der Kommunikation als Eisbrecher dienen: „Jó napot kívánok” – Guten Tag, „Kérem” – Bitte, „Köszönöm (szépe)” – Danke (sehr), „Igen“ – Ja. Ein direktes Nein“ wird vermieden. Warum? 

Indirekte Kommunikation

Die Ungarn schätzen freundliche Geschäftsatmosphäre und äußern meist indirekt, was sie wollen, was vielen Deutschen wie „um den heißen Brei reden“ vorkommt. Ein direktes „Nein“ oder offene Kritik sollten Sie ebenso vermeiden, wie auf eine schnelle Entscheidung zu bestehen. Außerdem rate ich, auf die Mimik und Gestik der ungarischen Gesprächspartner zu achten, um zu erkennen, ob Ihr Gegenüber tatsächlich mit Ihrem Angebot einverstanden ist oder nur aus Höflichkeit oder Verlegenheit „ja“ sagt. 

Persönliche Beziehungen

Beziehungen sind in Ungarn äußerst wichtig. Bevor Sie dort in die Verhandlungen einsteigen, sollten Sie eine vertrauensvolle Beziehung mit den Gesprächspartnern aufgebaut haben. Planen Sie also am besten vor, während und nach Verhandlungen ausreichend Zeit für die Beziehungspflege mit ein, dehnen den Smalltalk aus und nehmen Einladungen zum Essen (oft auch nach „Feierabend“) an. Bei der Kommunikation aus der Ferne ist es hilfreich, öfter mal zum Telefonhörer zu greifen, statt eine E-Mail zu schreiben.

Verhandlungen

Ungarn sind hartnäckige Verhandlungspartner und stellen viele Fragen. Bereiten Sie sich deswegen noch mehr als gewohnt für Ihre Geschäftstreffen vor.  Die ungarischen Businesspartner mögen es, Aspekte von vielen Seiten zu beleuchten und es dauert länger bis eine endgültige Entscheidung fällt. Buchen Sie vorsichtshalber, auch aufgrund der Beziehungspflege, tendenziell den späteren Rückflug. 

Der Umgang mit der Zeit

Auch wenn die Ungarn im Freizeitbereich flexibel mit der Zeit umgehen, ist Pünktlichkeit im Business-Bereich (im Gegensatz zu anderen Ländern der Region) sehr wichtig. Die Ungarn lassen ihre Geschäftspartner nicht warten und sind lieber zu früh da als zu spät. Dies erwarten sie auch von ihren internationalen Geschäftspartnern. Bei Unpünktlichkeit fühlen sie sich nicht ernst genommen. 

Hierarchische Strukturen 

Hierarchie und Status spielen in Ungarn eine große Rolle. Dazu zählt auch der Respekt vor den Älteren. Das Leiten von Meetings und Verhandlungen gehört ausschließlich dem Abteilungsleiter und führenden Manager. Sie treffen oft Entscheidungen, ohne dabei die Angestellten zu konsultieren, die ein niedrigeres Hierarchie-Level haben.

Was noch zu beachten ist:

  • Die Ungarn zählen sich selbst zu Mitteleuropa, daher vermeiden Sie lieber, sie als Osteuropäer zu bezeichnen. Das kommt schlecht an. 
  • Stoßen Sie beim Essen nicht mit Bier an. Das ist aufgrund geschichtlicher Hintergründe sehr unhöflich. Mit anderen alkoholischen Getränken anzustoßen ist wiederum in Ordnung. 
  • Falls die Ungarn sehr laut sprechen oder über unterschiedliche Meinungen kraftvoll und heftig diskutieren, müssen Sie es nicht persönlich nehmen, denn das gehört zu ihrer Kultur dazu. 

Viel Erfolg und Vergnügen bei der interkulturellen Kommunikation wünscht Anna Lassonczyk, Intercultural Success.

Bei dem Text handelt es sich um einen Artikel, den Anna Lassonczyk für die Zeitschrift Zoll & Export des Forum Verlags verfasst hat.

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Bilderquellen: Bild auf der Seite „Aktuelles“: Bild 1; Bild im Text: Bild 2