Interkulturelle Kommunikation mit Geschäftspartnern aus Ägypten


Von Begrüßung über Körpersprache und Vertrauensaufbau bis zum Zeitmangel

Die Hauptstadt Kairo ist nach Südafrika das zweitwichtigste wirtschaftliche Zentrum des Kontinents und Deutschland als Exporteur einer der wichtigsten Handelspartner Ägyptens. Doch die Geschäftsbeziehung können sich schwierig gestalten, wenn der arabische Geschäftspartner während eines Meetings ständig telefoniert, um danach aufgrund Zeitmangels der deutschen Seite von dem Projekt zurückzutreten. Bei der Kommunikation mit den Ägyptern sollten folgende unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden: 

Ägyptischer Stolz

Trotz religiöser und sozialer Differenzen sind die Ägypter durch ihre Geschichte stark verbunden. Diskussionen über Politik, Religion oder das Verhältnis zu Israel sind große Fettnäpfchen. Gute Gesprächsthemen dagegen sind die geografischen sowie kulturellen Besonderheiten des Landes und Sport, denn Deutschland wird in großem Maße mit Fußball assoziiert. Bei allen Konversationen sollte man sich auf mehr körperliche Nähe als in Deutschland einlassen, denn die typisch deutsche Distanz wirkt in der arabischen Welt schnell beleidigend.

Begrüßung mit Titel und angebrachter Kleidung

Hierarchien werden in Ägypten große Bedeutung zugemessen, weshalb der Titel bei der Anrede verwendet werden sollte. Da die linke Hand als unrein gilt, wird für die Begrüßung, aber auch zum Beispiel beim Essen, immer die rechte Hand genommen. Frauen wird nur die Hand gereicht, wenn diese sie Ihnen anbietet. Konservative Kleidung in freundlichen Business-Farben ist immer die beste Lösung. Bei Männern wird grundsätzlich Anzug und Krawatte erwartet. Frauen sollten darauf achten, wenig Haut zu zeigen. 

Einseitige Pünktlichkeit

Besonders von Deutschen wird pünktliches Erscheinen erwartet. Andererseits sind Verspätungen seitens der Ägypter sehr üblich. Für jedes Treffen muss ausreichen Zeit eingeräumt werden, da zunächst das Kennenlernen und Vertrauensaufbau im Vordergrund stehen. Zeitmangel wird daher schnell als fehlendes Interesse empfunden. Die Anlaufzeit für ein Projekt kann durchaus bis zu zwei Jahre dauern. Allerdings kann man in Maßen parallel arbeiten, denn während eines Termins zu telefonieren ist üblich, da ständige Erreichbarkeit hochgeschätzt wird. 

Mit Arabisch punkten

Auch den Ägypter ist die Komplexität ihrer Sprache bewusst. Umso beeindruckender ist es, wenn man zu verschiedenen Anlässen einzelne Phrasen beherrscht. Im Geschäftsalltag wird man mit Englisch gut zurechtkommen, eine gute arabische Übersetzung der Firmenunterlagen zeugt jedoch von besonderer Aufmerksamkeit. Es lohnt sich, Visitenkarten nicht nur auf Englisch, sondern auch Arabisch beschriften zu lassen. 

Nichts geht über Beziehungen

Zwischenmenschliche Beziehungen sind in Ägypten äußerst wichtig und sollten konstant gepflegt werden. Regelmäßige Besuche und Einladungen inklusive der Familie gehören zu Business Alltag dazu. Ebenso sollte man die Religionszugehörigkeit kennen und zu entsprechenden Anlässen gratulieren. Bei privaten Einladungen sollte man an ein kleines Geschenk mitbringen. Andererseits sind teure Geschenke stets anzulehnen, da sie in der Regel nur aus Höflichkeit angeboten werden. Die Höflichkeit gebietet es außerdem, Absagen jeglicher Art immer freundlich zu umschreiben mit beispielsweise „wir werden sehen“, „wir werden es versuchen“. 

Abschließend noch ein paar zusätzliche Tipps

Durch den langwidrigen Prozess des Beziehungsaufbaus ist bereits im Vorfeld eine sorgfältige Auswahl des Geschäftspartners essentiell. Finden Sie im Smalltalk heraus, welchen Ruf das Unternehmen in der Branche hat und ob Sie gemeinsame Businesspartner haben. Vertrauen, Geduld und Flexibilität sind die Grundbausteine zu einer gelungenen Geschäftsbeziehung. 

Viel Erfolg und Vergnügen bei der interkulturellen Kommunikation wünscht Anna Lassonczyk, Intercultural Success.

Bei dem Text handelt es sich um einen Artikel, den Anna Lassonczyk für die Zeitschrift Zoll & Export des Forum Verlags verfasst hat.

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